Wirksamkeit von Mangrovenwäldern

Warum die Aufforstung von Mangrovenwäldern so wirksam ist

Mangrovenwälder gehören zu den produktivsten und artenreichsten Ökosystemen der Erde. Der Begriff „Mangrove“ bezeichnet eine Pflanzengemeinschaft, die weltweit rund 80 verschiedene Arten von Bäumen und Sträuchern umfasst. Diese salztoleranten Bäume und Sträucher wachsen an tropischen und subtropischen Küsten und Flussdeltas und erstrecken sich über eine Fläche von weltweit 15,9 Millionen Hektar.1 Schätzungsweise ein Viertel der Mangroven sind seit 1980 verloren gegangen und das, obwohl die Verlustraten seit Beginn der 2000er laut FAO zurückgegangen* sind.2 Kein anderer Waldtyp der Erde hat in den letzten 50 Jahren prozentual mehr Fläche verloren** als die Mangrovenwälder.3

Die Hauptursache für die großflächige Abholzung von Mangroven ist der Bau von Fisch- und Garnelenzuchtbetrieben. Aber auch Verschmutzungen von Gewässern, die Überdüngung landwirtschaftlicher Flächen, der Ausbau von Infrastruktur in den Tropenregionen und die Folgen des Klimawandels wie Extremwettereignisse und Erosionen führen zu Verlusten.

Die Folgen der Mangrovenverluste für die Biodiversität sind verheerend. Unterhalb der Wasseroberfläche dienen die verzweigten Wurzelgeflechte der Mangrovenwälder als Schutz für unzählige Arten von Fischen, Muscheln, Krabben und anderen Meereslebewesen. Oberhalb des Wassers bieten Äste und Kronendach unter anderem Nist- und Nahrungsraum für Pelikane, Reiher, Adler, Affen und Fledermäuse. Die Zahl an Jungtieren, die in den Mangroven-Ökosystemen ihre frühen Lebensstadien verbringen, wird allein für Fische und wirbellose Tiere auf 700 Milliarden jährlich geschätzt.4

Insgesamt leben über 200 Millionen Menschen innerhalb von 10 Kilometern von Mangrovenwäldern.5 Durch die hohe Fischdichte ist ein Großteil der Küstenbewohner in den Tropen unmittelbar auf Mangrovenwälder als Nahrungs- und Einkommensquelle angewiesen. Außerdem schützen Mangroven Küstengemeinden vor Sturmfluten, Erosion und dem steigenden Meeresspiegel. Ein 100 Meter breiter Mangrovenstreifen kann die Wellenhöhe eines Tsunamis um bis zu zwei Drittel reduzieren und Mangroven sind dabei im Vergleich zu Betonwellenbrechern bis zu fünfmal kosteneffizienter in der Wiederherstellung.6

Mangrovenwälder sind zudem einer der effektivsten natürlichen Kohlenstoffsenken des Planeten. Pro Hektar speichern sie durchschnittlich 394 Tonnen Kohlenstoff – in Biomasse und im Bodensediment.7 Das ist bis zu fünfmal mehr Kohlenstoff als ein tropischer Regenwald pro Hektar speichert.8 Insgesamt binden die weltweiten Mangrovenwälder laut WWF über 21 Gigatonnen Kohlenstoff.7 Der Beitrag zum Klimaschutz durch Mangrovenaufforstung ist allerdings begrenzt. Durch die Renaturierung von schätzungsweise 1,6 Millionen Hektar gerodeter Mangrovenwaldfläche weltweit, ließe sich eine Gigatonne CO2 binden.9 Das Project Drawdown, das Klimaschutzansätze global einordnet und vergleicht, beziffert das Potenzial von Mangrovenaufforstungen auf gerade einmal 0,1 Gigatonnen CO2-Äquivalente*** pro Jahr.10

Berücksichtigen wir allerdings die relative Wirksamkeit der Mangrovenaufforstung, d.h. den Effekt, den wir mit einem bestimmten Geldbetrag erzielen können und beziehen neben den klimatischen auch die ökologischen und sozioökonomischen Vorteile der Aufforstung mit ein, dann ist die Rückverwilderung von Mangrovenwäldern einer der wirksamsten Maßnahmen, die uns mit unseren begrenzten Mitteln zur Verfügung steht. Wir wollen lokale Communities dabei unterstützen, ihre eigene Lebensgrundlage zu schützen und die Wildnis in den Mangrovenwäldern wiederzugewinnen. Mit jedem Euro, den wir bei wiederwild in die Mangrovenaufforstung investieren, können wir durchschnittlich zwei Mangroven pflanzen und während des Wachstumsprozesses schützen und monitoren.


* In welchem Ausmaß eine Erholung der Mangrovenwälder tatsächlich stattgefunden hat, ist schwierig zu beurteilen, da die Zahlen nicht von unabhängigen Forschern stammen, sondern auf den Regierungsangaben der Länder mit Mangrovenwaldbestand beruhen. Es besteht das Risiko, dass vorher nicht kartierte Mangrovengebiete in den nationalen Statistiken als Zugewinne gewertet werden.1

** Die absoluten Flächenverluste der Mangroven sind im Vergleich zu anderen Waldtypen gering, doch da Mangrovenwälder weniger als 1% der gesamten tropischen Waldflächen ausmachen, ist der relative Verluste umso höher.

***Da Kohlenstoffdioxid (CO2) nicht das einzige für die Erderwärmung relevante Treibhausgas ist, werden die Treibhausgase – weitere sind z. B. Methan (CH4) und Lachgas (N2O) – mit ihren unterschiedlichen Erwärmungspotenzialen in CO2-Äquivalente (CO2e) umgerechnet.


1 FAO (2025). Global Forest Resources Assessment 2025. https://doi.org/10.4060/cd6709en, S.40-41
2 Goldberg, L. et al. (2020). Global declines in human‐driven mangrove loss. Glob Chang Biol, Nr. 3; 26 (10), S. 5844 – 5855. DOI: 10.1111/gcb.15275
3 Wetlands International (2023). Mangrove restoration: the latest best-practice approaches. https://www.wetlands.org/mangrove-restoration-the-latest-best-practice-approaches/ (Zuletzt aufgerufen am 18.05.2026)
4 zu Ermgassen, P.S.E. et al. (2025). Mangroves support an estimated annual abundance of over 700 billion juvenile fish and invertebrates. Commun Earth Environ, Nr. 6 (299). DOI: 10.1038/s43247-025-02229-w
5 Menéndez Fernández, P. et al. (2020). The Global Flood Protection Benefits of Mangroves. Scientific Reports, Nr. 10. DOI: 10.1038/s41598-020-61136-6
6 WWF (2025). Mangroven: Alleskönnerin Gefahr. https://www.wwf.de/themen-projekte/meere-kuesten/schutz-der-kuesten/mangroven (Zuletzt aufgerufen am 18.05.2026)
7Global Mangrove Alliance (2025). The state of the world’s mangroves 2024. https://www.mangrovealliance.org/_files/ugd/46cc4e_ 9570347e230a43b7945e73d03e7c3929.pdf, S. 3 (Zuletzt aufgerufen am 18.05.2026)
8 Donato, D.C. et al. (2011). Mangroves among the most carbon-rich forests in the tropics. Nature Geosci, Nr. 4,S. 293–297 (2011). DOI: 10.1038/ngeo1123
9
WWF (2026). Mangrove conservation for climate resilience. https://www.worldwildlife.org/our-work/funds/bezos-earth-fund/mangrove-conservation-for-climate-resilience/ (Zuletzt aufgerufen am 18.05.2026)
10 Project Drawdown (2025). Restore Mangrove Ecosystems. https://drawdown.org/explorer/restore-mangrove-ecosystems (Zuletzt aufgerufen am 18.05.2026)


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